Die Antworten, die der AOV-NRW auf seine jährliche Umfrage „Zukunftsperspektiven in der Augenoptik“ von den Abschlussklassen Augenoptik erhalten hat, sind größtenteils ernüchternd, in einigen Punkten schlichtweg alarmierend: Gut 30 % der Befragten aus den Regionen Aachen, Arnsberg, Düssel-Rhein-Ruhr, Köln, Münster und Ostwestfalen-Lippe sehen ihre Zukunft nicht in der Augenoptik! Im Vergleich zu den Vorjahresergebnissen ist das ein starker Anstieg. 2018 gaben noch 16 % an, die Augenoptik langfristig verlassen zu wollen.

Regional betrachtet sind die Zahlen teilweise noch extremer: So sehen mehr als die Hälfte aller Schüler in Ostwestfalen-Lippe keine Zukunft in der Augenoptik! Die Region Münster ist am stabilsten: „Nur“ etwa 20 % werden sich langfristig von der Augenoptik verabschieden. Der Blick auf die Umfrageergebnisse wirft die Frage auf: Wie kann es sein, dass so viele Personen nicht in der Augenoptik bleiben wollen – und das, obwohl sie laut Umfrage die Ausbildung gut und die Inhalte spannend finden? Ganz sicher liegt es nicht an mangelnden Perspektiven: Nur ein Bruchteil berichtet von ausbleibenden Anstellungsangeboten. Die meisten (ca. 60 %) werden sogar von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen.

In jedem Fall sind die Ergebnisse ein Sinnbild für das große Problem unserer Branche: Der schon jetzt eklatante Fachkräftemangel wird sich zuspitzen.

Was muss also auf Arbeitgeberseite geschehen, um dem Angestelltenschwund entgegenzusteuern? Zunächst lohnt ein Blick auf die Gründe für das Nicht-bleiben-Wollen unserer Azubis. Hier fallen – nicht wirklich überraschend – zwei Schwerpunkte ins Auge: 1. Das Gehalt. 2. Die Arbeitszeiten.

Tatsächlich ist die Augenoptik nicht gerade familienfreundlich: Die meisten Geschäfte haben mindestens bis 19 Uhr geöffnet, einige, beispielsweise in Shoppingcentern, auch bis 22 Uhr. Auch sind die Geschäfte in der Regel an sechs Tagen in der Woche geöffnet, dazu kommen verkaufsoffene Sonntage. Viele Betreibe beschäftigen nur wenige Angestellte, die wiederum mehr arbeiten müssen, um entsprechend der langen Öffnungszeiten auch Kundenservice anbieten zu können. Insgesamt muss das Image der Augenoptik verändert werden. Mehr Work-Life-Balance, familienfreundlichere und flexiblere Arbeitszeitmodelle könnten eine Lösung sein. All diese Aspekte sind in anderen Branchen bereits seit langer Zeit verankert und werden auch vermehrt von der neuen Generation junger Arbeitnehmer eingefordert.

Ein weiterer Punkt der auffällt: Nur sehr wenige erwägen den Schritt in die Selbstständigkeit. Durchschnittlich können sich 6 % vorstellen, zukünftig einen eigenen Betrieb zu führen. Das könnte langfristig zu einem Problem werden, wenn alteingesessene Augenoptiker altersbedingt ihre Unternehmen schließen müssen, weil sie keine Nachfolger finden. Auch hier sollten die Unternehmer die Vorzüge der Selbstständigkeiten stärker bewerben, um den Nachwuchs für die Selbstständigkeit zu begeistern.

Die Augenoptik muss sich zukunftsgerecht positionieren, sonst läuft sie Gefahr, keine Augenoptiker mehr zu finden. Und das wäre tragisch, da ja nachweislich der Bedarf an Versorgung mit augenoptischen Korrekturmöglichkeiten wächst. Der Bedarf an Augenoptikern steigt stetig. Nun liegt es an der Augenoptik selbst, sich zukunftsgerecht neu zu erfinden.

 

 



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