Einmal im Jahr steht München im Zeichen der Augenoptik – wohlgemerkt, noch. Die opti bildet seit Jahren den Auftakt des augenoptischen Jahres. So öffneten sich auch in diesem Jahr vom 10. bis zum 12. Januar wieder die Tore der Messe.

Zugang zu den Hallen boten die Eingänge Nordwest und Nordost. Der Eingang Nordost geht fließend in die Halle C6 über und bildet – so jedenfalls der Wunsch der Veranstalter – das neue Entree der Messe. Laut GHM wurde dieses auch sehr gut von den Besuchern angenommen. Im Laufe des Tages aber leerte sich dieser Bereich. Zurück blieb eine große Freifläche mit ein paar Sitzinseln, die zum Ausruhen und Austauschen genutzt wurden. Diese Fläche wirkte dann, zu diesen späteren Stunden, wenn die meisten Besucher bereits angekommen waren, etwas verwaist. Vielleicht hätte man den Eingangsbereich etwas räumlich kleiner gestalten und dafür die Stände anders verteilen können. Oder die Ruhezonen hätten etwas anders – einladender – gestaltet werden können.

Die Hallenbelegung war klar strukturiert: Die Hallen C1 bis C3 waren den Fassungsherstellern vorbehalten. In Halle C4 fanden Ladenbauer und Anbieter von Handelswaren einen Platz – ergänzt von opti Forum, opti Showcase und opti Campus. In der Halle C5 waren in der Hauptsache die Glashersteller platziert. Alles zum Thema Refraktion und weiteren Geräten, Low Vision und Kontaktlinse fanden Besucher in der Halle C6.

Laut GHM ging das Konzept mit sechs Hallen und neuem Eingangsbereich auf. Es gibt aber durchaus auch andere, kritischere Stimmen. So seien die Wege zu lang gewesen und die Halle C6 recht „isoliert“ vom Rest der Messe.

Facts and figures

605 Aussteller aus 39 Ländern präsentierten sich, ihre Produkte und ihre Dienstleistungen. Damit war die Beteiligung der Aussteller geringer als im vergangenen Jahr (631 Aussteller). Der Anteil der ausländischen Aussteller lag mit 55% leicht über dem der inländischen Aussteller (45%). An den drei Messetagen besuchten ca. 28.000 Besucher die Fachmesse, die Besucherzahl blieb damit im Vergleich zum Vorjahr stabil! Diese kamen aus 93 Ländern, was zeigt – die opti ist eine international feste Größe.

Die opti bietet nicht nur Gelegenheit zur Information über Neuheiten und zu Verkaufsabschlüssen. Vielen Besuchern ist besonders die Möglichkeit zum Austausch und der Kontaktpflege wichtig. Darüber hinaus bietet die Messe jedes Jahr mit den Vorträgen auf dem opti Forum ein branchenrelevantes Weiterbildungsprogramm. Laut GHM nahmen in diesem Jahr während der drei Messetage 2.900 Besucher an einem der 33 Vorträge teil.

Einzigartig

In jedem Jahr ist die Fachmesse eine Art Trendbarometer der Branche. Was waren die Themen dieses Mal? Bei Brillengläsern geht es um Individualität – in unterschiedlichen Ausführungen.

Rodenstock präsentierte auf der Messe „B.I.G. Vision for all – Biometric Intelligent Glasses“. Der Glashersteller ermittelt mittels tausender Datenpunkte und individueller Parameter ein biometrisches Augenmodell eines jeden Auges. Davon ausgehend werden dann individuelle Gleitsichtgläser gefertigt.

Seiko I Xceed richtet sich, so das Unternehmen, bei der Herstellung genau nach den individuellen täglichen Sehanforderungen. Das Brillenglas ist in drei Typen erhältlich. Dabei richtet sich die Wahl nach den individuellen Kundenwünschen und danach, in welcher Distanz sie ihren Schwerpunkt sehen.

Erhältlich ab April diesen Jahres ist das neuste Glas von Zeiss: die Zeiss SmartLife Brillengläser. Sie tragen unserem mobilen, vernetzten Sehen Rechnung. Darüber hinaus werden altersspezifische Sehbedürfnisse der Brillenträger berücksichtigt.

Auch bei Nikon geht es um Individualität. „Wie ein Fingerabdruck ist auch das Sehen einzigartig.“ Presio Ultimate SP Brillengläser würden den Einfluss individueller Sehgewohnheiten und Sehbedürfnisse bei Gleitsichtgläsern berücksichtigen, dadurch werde das perfekt passende – individuelle – Design ermittelt. Die Sensitivität eines jeden Brillenträgers könne berücksichtigt werden, sodass die Aberrationen im Randbereich so gering wie möglich ausfallen.

Das Hoyalux iD MySelf ist das neuste Premium-Gleitsichtglas aus dem Hause Hoya. Es berücksichtigt u.a. die unterschiedliche Sehstärke beider Augen bei presbyopen Kunden.

Multi bionic der Deutschen Augenoptik AG sei der erfolgreich umgesetzte Wunsch, das natürliche Sehen auch mit einem Gleitsichtglas erlebbar zu machen. Dazu werde die natürliche Bewegung und die Abbildung der Augen mit der Fassungsgeometrie, der Physiologie und der Fehlsichtigkeit mit dem persönlichen Sehprofil im Gleitsichtglas vereint. Möglich mache dies die vollständige Individualisierung auf beiden Brillenglasflächen.

Auch bei Essilor wird es individuell – wenn auch in diesem Fall eher individuell stylish. Transitions geht in die achte Generation. Das Besondere: Eine innovative Nanostruktur, dank der die Farbmoleküle noch schneller und effizienter reagieren. Ab April wird Transitions Signature Gen 8 in insgesamt sieben Farben verfügbar sein – je nach individuellem Geschmack wählbar.

Auf individuelle Unterschiede in der Wahrnehmung geht es auch bei der Refraktion: Neueste Forschungsergebnisse von Essilor zeigen, dass ein Großteil aller Menschen feinere Abstufungen als die üblichen Korrekturschritte von 0,25 dpt wahrnehmen. Mit AVA gelinge es, eine subjektive Refraktion in 0,01 dpt Abstufungen durchzuführen.

Myopie und Trockenes Auge

Zwei wichtige Themen der Branche sind weiterhin die Progressive Myopie und das Trockene Auge.
Als weltweit erstes Gerät vereine der Oculus Myopia Master die wichtigen Messmethoden zur Myopie-Kontrolle: Achslänge, Refraktionswerte und zentrale Hornhautradien. Ob myope Eltern, Zeit im Freien oder Dauer der Naharbeit: Unter Berücksichtigung dieser Myopie-Risikofaktoren erstelle der neue Myopia Master einen Myopie-Report für den Kunden. So unterstütze das System auch bei der Aufklärung. „Dank der Zusammenarbeit mit dem BHVI (Brien Holden Vision Institute) und den Einsatz von dessen Algorithmen in unseren Myopia Master sind wir in der Lage, unsere Kunden auch hier mit einem Gerät der Weltklasse zu beliefern. Wir freuen uns, dass das vom BHVI in Form großer Datensätze geschaffene Wissen mit dem Myopia Master nun Augenspezialisten in aller Welt zur Verfügung gestellt werden kann, so Oculus-Geschäftsführer Christian Kirchhübel

Bon Optic kombiniert mit dem „Eye-Light“ System die OPE-IPL Technologie mit der Low-Level Lichttherapie (LLLT) und behandelt damit die Meibom-Drüsen-Dysfunktion. Es handelt sich um eine Behandlung mit polychromatischem, gepulsten Licht.

Auch bei Essilor wurde ein neues Gerät zur Stabilisation des Tränenfilms vorgestellt, das mit Pulslicht arbeitet: TearStim.

Kontaktlinsen und mehr

Myopie ist auch ein großes Thema bei den Kontaktlinsenherstellern. Das Menicon Bloom Myopia Control Management System ist ein ganzheitlicher Ansatz für das Myopie Management, so das Unternehmen. Das Menicon Bloom Konzept wurde auf der opti gelauncht und soll im Frühjahr 2020 in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeführt werden.
Außerdem bot Menicon Neues zum Thema Kundenbindung: MELS. Diese Abkürzung steht für „Mein Einfaches Linsen System“. Es handelt sich um ein voll automatisiertes Kontaktlinsen Abo-System. Neu ist, dass nun auch formstabile und individuelle weiche Kontaktlinsen eingebunden werden.

Apropos Kundenbindung: dazu passt das Thema Zusatzgeschäft. Sicherlich gehören dazu klassischerweise Kontaktlinsen und Sonnenbrillen. Aber auch Handelsware ist hier relevant. Wie wäre es hier mal mit frischem Wind? Any Di SunCover sind besondere Hingucker unter den Brillenetuis, die Funktion und Mode verbinden.

Fashion gab´s auch

Natürlich dürfen in einem Rückblick auf die opti die Fassungstrends nicht fehlen. Und was gibt´s Neues bei den Fassungen? Sie werden feinrandiger und es darf auch mal klassischer sein, sogar retro. Das zeigen zum Beispiel die aktuellen Modelle bei Lunor und Rodenstock. So trifft bei Rodenstock Vergangenes auf Gegenwärtiges – Entwürfe vergangener Dekaden werden mit neuem Leben gefüllt: Ahead of the times!

In vielen neuen Kollektionen trifft man in diesem Jahr auf alte Bekannte wie den Windsor-Ring oder die Browlinebrille. Dazwischen aber immer auch wieder super ausgefallene Modelle.

Um Ihre neuen Fassungen, die Sie auf der opti gefunden haben, gegen Langfinger zu sichern, bietet zum Beispiel concept-s eine sinnvolle Lösung: Das neue Brillensicherungssystem Shelf Lock.

Auf der opti gab es also – wie in jedem Jahr – wieder einiges zu entdecken!

Grüne Augenoptik

Neben konkreten Produkten, zeigen Fachveranstaltungen wie die opti auch immer, welche Themen in der Branche und auch darüber hinaus von Interesse und Bedeutung sind. Derzeit in aller Munde ist besonders der Themenkomplex Nachhaltigkeit, auch in der Augenoptik. Viele Unternehmen setzen auf nachhaltige Materialien oder durchdachte Produktionen mit guter Öko-Bilanz. Zwei Unternehmen, die wir hier als Beispiel anführen möchten sind Visall und Lunor. Für Lunor ist Nachhaltigkeit Herzensangelegenheit und es wurde schon viel unternommen, sodass das Unternehmen seit einiger Zeit komplett klimaneutral agiert – kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen für das Traditionsunternehmen. Auch bei Visall wird das Thema Nachhaltigkeit großgeschrieben. Viele Aspekte hat das Unternehmen bereits umgesetzt: Müllvermeidung, Bienenstock, umgestellte Logistik und und und.

Auch wir bei optikernetz werden das Thema weiterverfolgen und berichten im Spätsommer in einem großen Spezial!

Stuttgart 21

Im nächsten Jahr heißt es dann: alles bleibt anders – auf Wiedersehen in Baden-Württemberg. Ab dem kommenden Jahr wird die opti in den ungeraden Jahren in Stuttgart stattfinden. Das trifft nicht bei allen Besuchern und Ausstellern auf Gegenliebe. Viele sehen den Standort Stuttgart als wenig attraktiv und mutmaßen gar, ob dies die letzte opti sein könnte. Das bleibt abzuwarten. Dieses Jahr war München erst einmal wieder der „place to be“ und mit 92% Bestnoten der Besucher, laut GHM, war die Messe ein voller Erfolg.

Was ist Ihr Eindruck von der opti 2020 und was wären Ihre „Verbesserungs“vorschläge? Und wie lautet Ihre Meinung zum Standort Stuttgart? Schreiben Sie uns: info@optikernetz.de

Anmerkung der Redaktion: Wir konnten leider nicht alle Firmen besuchen. Daher sind die hier angeführten Unternehmen als Beispiele zu verstehen und die Nennung stellt keine Wertung dar.



Augenoptiker- und Optometristenverband NRW
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